btlogok
vom 6.5.2024
 
Warmlaufen für die deutschen Spitzenturniere
Fahrturnier des Reit- und Fahrvereins St. Wendelin in Leiberstung gilt im Pferdefahrsport als wichtige Vorbereitung
 
abb060524
Auch die Optik spielt eine Rolle: Anna Watzlawik und ihre Beifahrerin haben sich und Turnierpferd Diego für den Hindernisparcours in Leiberstung herausgeputzt. Foto: Christina Nickweiler
 
Von Christina Nickweiler
 
Sinzheim-Leiberstung. Weiß-graues Fell, chic geflochtene Mähne und ein dunkelblauer Fliegenschutz an den Ohren: Fräulein Marianne glänzt auf dem Turnierplatz des Reit- und Fahrvereins St. Wendelin schon alleine durch ihr Erscheinungsbild. Die Fahrerin auf der Kutsche, Sabine Hoppen-Mick, wird dem Publikum von Wertungsrichter Hans-Peter Huff als Grandseigneur vorgestellt. Diese Bezeichnung verweist auf ihre jahrelange Turniererfahrung.
 
„Zu Saisonbeginn können die Kutscher hier ihr Leistungslevel testen.
Karin Saar
Vorsitzende
 
Beim Frühjahrsturnier des Reit- und Fahrvereins sind am ersten von zwei Wettkampftagen einige Hochkaräter am Start, darunter Fahrer aus dem baden-württembergischen Landeskader, aber auch aus dem Bundeskader. Das Wetter bleibt trocken, gelegentlich lässt sich sogar die Sonne am Himmel blicken.
 
Die Turniere in Leiberstung sind mit den Kategorien A und M gekennzeichnet. Während unter der Klasse A Großpferde und Ponys, Profis und Anfänger starten, bleibt die M-Klasse den Profis vorbehalten. Denn diese verlangt ein mittleres Niveau für Fahrer und Pferde.
 
Mit 70 Teilnehmern ist das Leiberstunger Turnier bei den Kutschfahrern laut der Vorsitzenden Karin Saar sehr beliebt. Denn bevor an Pfingsten in Deutschland die großen Profiturniere beginnen, können Fahrer und Pferd sich in Leiberstung schon einmal warmlaufen. „Zu Beginn der Saison können die Kutscher hier in Leiberstung einschätzen, auf welchem Leistungslevel sie sich mit ihrem Pferd befinden“, sagt die Vorsitzende im Gespräch.
 
Während morgens Dressurprüfungen auf dem Programm stehen, dreht sich am Nachmittag beim Kegelparcours alles um Koordination, Schnelligkeit und Konzentration. Schon kurz vor dem Turnier inspizieren die Fahrer den Platz. „Jeder versucht, sich den Weg und die Anordnung der Tore, die als Hindernis bezeichnet werden, einzuprägen“, erklärt Alexander Panter. Er ist zusammen mit Susanne Droll an der Seitenlinie als Parcourshelfer postiert, um genau den Abstand zwischen den Kegeln zu messen. Auf den Pylonen liegen Bälle, die von Kutsche und Pferd unversehrt passiert werden müssen. „Wenn das Ross zu schnell nach links rennt, hängt der Ball an der Kutsche, das gibt Strafpunkte“, erklärt Alexander Panter.
 
Inzwischen befinden sich Anna Watzlawik und ihre Beifahrerin mit Kutsche und Pferd Diego auf dem Turnierplatz. Chic sieht Diego aus, rabenschwarz ist sein Fell, und die weißen Gelenkschoner setzen optisch einen markanten Kontrast. Obwohl Diego ein Großpferd ist, bewegt sich das Tier mit rundem Nacken und gesenktem Kopf grazil über den Platz. Passend zu der Fellfarbe tragen Fahrerin und Beifahrerin schwarze Jackets und weiße Blusen. Das Aussehen der Kutsche lehnt sich im Gegensatz zu Geländekutschen an die klassischen Modelle aus Holz an. Während die Kutscherin auf den längeren Strecken das Pferd galoppieren lässt, versucht sie bei den eng geschnittenen Toren, das Tempo zu drosseln.
 
„Das war eine rasante Fahrt, chic der Kleine“, lobt Alexander Panter die Präsentation. Bei der letzten Runde fährt die Kutsche an der Jury vorbei, die Fahrerin grüßt, Besucher applaudieren und die Kutsche verlässt den Turnierplatz. Beim Pferdefahrsport gibt es strenge Verhaltensregeln. Einige Strafpunkte gibt es, weil Diego einen Pylonen touchiert hat.
 
Derweil steht schon die nächste Kutsche parat. Es geht Schlag auf Schlag. Manche Teilnehmer, die an diesem Tag mit einem Pferd starten, werden am zweiten Turniertag auch bei den Zweispännern an den Start gehen. Karin Saar berichtet von mehr als einem halben Dutzend Fahrern, die abseits vom Turnierplatz mit einem Wohnmobil sowie den großen Transportwagen angereist sind. In den Lastern werden Kutsche und Pferde transportiert. Diese Teilnehmer sind mit einem ganzen Tross an Begleitpersonal teilweise schon am Freitagabend angereist und campieren in Leiberstung. Rund 40 Aktive des Reit- und Fahrvereins helfen bei der Bewirtung und beim Parcoursdienst.